Go-Shichi no Kiri, das japanische Kabinettswappen

 

 

  zeigt als Symbol drei Blätter des Blauglockenbaums, über denen 5 – 7 – 5 Blüten angeordnet sind.

 

Der Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa oder Paulownia imperialis), ursprünglich aus China, ist ein Laubbaum, dessen Blätter sich im Herbst nicht verfärben. Unter tropischen Bedingungen kann er bis 30 Meter hoch und bis 70 Jahre alt werden. Von April bis Mai blüht er weiß bis hellblau noch vor dem Austreiben der großen, herzförmigen Blätter . Früchte und Samen sind schwach giftig.

Der Blauglockenbaum steht allgemein als Symbol für Fruchtbarkeit, aber auch für Weisheit, Gesundheit und Glück, basierend auf der Legende, wonach der Phoenix sich auf seinen Flügen nur auf Blauglockenbäumen niederlässt und deren Besitzer mit seinen Gaben bedenkt.

Nicht nur in China, auch in Japan ist es bei wohlhabenden Familien Tradition, nach der Geburt einer Tochter einen Kaiserbaum zu pflanzen. Da der Baum sehr schnell wächst, kann er bei der Hochzeit des Mädchens bereits gefällt und das Holz für die Herstellung eines tansu, einer Art Kommode oder Truhe, für die Aussteuer verwendet werden.

 

Der Blauglockenbaum als Symbol des kaiserlichen Wappens (kiri) in Japan

Neben dem Chrysanthemum (kikkwa) ist kiri das zweite kaiserliche Wappen. Seine erste Erwähnung fällt in die Mitte des 11. Jahrhunderts. kiri soll seinen Ursprung in einem Muster auf dem Gewand der Kaiser haben, wo die Blauglocke zusammen mit zwei Phönixen, einem Bambus und mehreren Fabelwesen als Symbol der kaiserlichen Macht abgebildet gewesen sei.

Der Kaiser verlieh entweder beide Wappen oder nur eines von beiden. Oftmals wurden kaiserliche Wappen von Fürsten für außerordentliche Heldentaten vergeben, aber auch für treue Dienste. Das Wappen zeigt entweder fünf- und siebenteilige oder drei- und fünfteilige Blüten. Es war vererbbar und durfte weiterverliehen werden.

Über das unbefugte Tragen kaiserlicher Wappen existieren verschiedene Verordnungen (seido). Die älteste bekannte stammt vom 6. September 1595: „Das Chrysanthemum- und Paulownia-Wappen darf nicht auf Kleidern getragen werden, es sei denn mit ausdrücklicher Genehmigung. Wer ein damit verziertes Gewand erhalten hat, darf die Wappen nur tragen, solange er das Kleid besitzt. Es ist verboten, es umfärben oder das kaiserliche Wappen auf anderen Kleidern anbringen zu lassen. Wer diesem Verbot zuwiderhandelt, wird mit einer schweren Strafe belegt.“ Unterzeichnet ist dieses Verbot von fünf Fürsten.

Auf Münzen findet man seit dem 16. Jahrhundert beide Blüten, wobei die Chrysantheme seltener ist als die Blauglocke, letztere auf neueren Münzen auch in der 3-5-3-Form. In vielen anderen Bereichen dient die stilisierte Blauglocke als Symbol, etwa auf Rüstung, Reitzeug und Waffen der Samurai und auf den lackierten Kästen, in denen sie ihre Ausrüstung aufbewahrten.

In den Heraldikbüchern scheinen Wappen mit Paulownia, Bambus und Sperlingen in Gold auf. Wenn sich der shōgun (Fürst) zum Besuch eines shintō-Tempels begab, trug er purpurnes Gewand mit dem Paulownia-Wappen darauf.

 

Der Blauglockenbaum im heutigen Japan

Er gilt auch heute noch als Symbol des Kaiserhauses und findet sich sowohl im kaiserlichen Wappen als auch im Wappen des Premierministers. Der Große Orden der Paulownienblüte für außergewöhnliche Verdienste ist nach dem Chrysanthemen-Orden der zweithöchste verleihbare Orden in Japan.

Man trifft die Blauglocke vielerorten; selbst in einem bekannten Studentenlied wird der Baum als Symbol für ständige Erneuerung besungen.

 

Der Blauglockenbaum in Europa

Im 19. Jahrhundert wurde die Pflanze von dem Würzburger Botaniker und Japan-Forscher Philipp Franz von Siebold nach Europa gebracht. Siebold stand in den Diensten des späteren russischen Zaren Paul I. und gab dem Baum zu Ehren der russischen Großfürstin Anna Pawlonia, der späteren Königin der Niederlande, den Namen Paulownia.

Im Park des Palais Schaumburg in Bonn symbolisierte ein Kaiserbaum die Regierungszeit des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Die Pflanzung eines Kanzlerbaums wird seither als Tradition von den deutschen Bundeskanzlern weitergeführt.

 

Das Holz des Blauglockenbaums

Trotz seines schnellen Wachstums zählt der Baum zu den Edelhölzern und hat auch bei der Verarbeitung eine Sonderstellung: Wegen seiner geringen Dichte müsste er eigentlich zum Weichholz zählen, gilt aber auf Grund seiner außerordentlichen Stabilität als Hartholz. Dieses ist harzfrei, schwer entflammbar , biegsam und lässt sich gut verarbeiten, vorzüglich zu Schnitzereien und Saiteninstrumenten, aber auch zu Spielzeug und Sportgeräten, wie Tischtennisschlägern, Booten oder Skiern.

Wegen seines schnellen Wachstums ist der Blauglockenbaum auch für die Biomasseproduktion interessant.

 

Der Blauglockenbaum in Österreich

Er war der Lieblingsbaum von Kaiser Franz Joseph I., der in den Parks und Gartenanlagen des Habsburgerreiches anpflanze ließ. Mittlerweile ist er bei uns in Parks und Hausgärten heimisch. Nichtsdestotrotz gilt er wegen seines schnellen Wachstums als aggressiver Neophyt.

In den letzten Jahren ist das Interesse, diesen Baum zu kultivieren, gestiegen. Als Pionierprojekt wurde 2012 in Bairisch Kölldorf die erste Wertholzplantage mit Paulownien angelegt, um ihre Entwicklung unter den klimatischen Bedingungen der Steiermark  zu erforschen, Inzwischen ist die Anlage auf eine Bestand von rund 1600 Bäumen angewachsen.

 

Die Blauglocke und das Haiku

Eine Verbindung der 5-7-5 Anordnung der Wappenblüte  zum Haiku habe ich nicht gefunden, daher will ich den Beitrag mit einem bezugnehmenden Vers beenden:

blaublütiges

kaiserwappen – ich zähle

die haikuglocken